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Der Drachenjunge
Egal, ob du verheiratet bist oder nicht,
du solltest es lesen…

Blumentopf und das Bier
Dies schrieb ein New Yorker Taxifahrer

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Egal, ob du verheiratet bist oder nicht,
du solltest es lesen…

Als ich diesen Abend nach Hause kam und meine Frau das
Abendbrot serviert hatte, nahm ich ihre Hand und sagte ihr, 
dass ich ihr etwas mitteilen müsse. Sie setzte sich hin und aß 
schweigend. Und ich sah wieder die Angst in ihren Augen.

Auf einmal war ich wie versteinert, ich konnte meinen Mund 
nicht mehr öffnen. Aber ich musste ihr sagen, was ich denke: 
Ich möchte mich scheiden lassen. Sie wurde nicht aufbrausend 
und regte sich über meine Worte nicht auf, sondern fragte mich 
leise nach dem Grund dafür.

Ich vermied eine Antwort auf die Frage. Das verärgerte sie. 
Sie schmiss ihr Besteck umher und schrie mich an, dass ich 
kein Mann sei. In dieser Nacht redeten wir nicht mehr 
miteinander. Sie weinte die ganze Nacht. Ich wusste, dass sie 
herausfinden will, was mit unserer Ehe passiert ist, aber ich 
konnte ihr keine zufrieden stellende Antwort geben: Ich habe 
mich in Jane verliebt. Meine Frau liebte ich nicht mehr.

Mit einem tiefen Gefühl der Schuld entwarf ich einen 
Ehevertrag in dem ich ihr unser Haus, unser Auto und 30% von 
unserer Firma anbot. Sie schaute ihn sich kurz an und zerriss 
ihn anschließend. Die Frau, mit der ich zehn Jahre meines 
Lebens verbracht habe, wurde mir fremd. Mir tat es um ihre 
Zeit und ihre Energie leid, die sie mit mir verschwendet 
hatte, aber ich konnte nicht mehr zurück, dafür liebte ich 
Jane zu stark. Schließlich brach sie vor meinen Augen laut in 
Tränen aus, das war die Reaktion, die ich erwartet hatte. Sie 
weinen zu sehen brachte mir irgendwie ein Gefühl der 
Erleichterung. Schon seit einiger Zeit spielte ich mit dem 
Gedanken, mich scheiden zu lassen, und ich war regelrecht 
besessen von dem Gedanken. Nun wurde das Gefühl nochmals 
stärker und klarer, dass es die richtige Entscheidung ist.

Am nächsten Tag kam ich spät nach Hause und sah sie schreibend 
am Tisch sitzen. Ich war sehr müde an dem Abend und so ging 
ich ohne Abendbrot zu essen direkt ins Bett. Die vielen 
Stunden mit Jane haben an meinen Kräften gezehrt. Ich wachte 
kurz auf und sah sie immer noch schreibend am Tisch sitzen. 
Das war mir aber egal und so drehte ich mich um und war sofort 
wieder eingeschlafen.

Am nächsten Morgen hat sie mir ihre Forderungen für eine 
Scheidung mitgeteilt: Sie verlangt gar nichts von mir, möchte 
jedoch einen Monat Zeit bevor wir unsere Scheidung bekannt 
geben. Sie möchte, dass wir einen Monat ein normales Leben 
leben und so tun, als wäre nichts geschehen. Ihre Gründe dafür 
waren einfach: Unser Sohn schreibt in einem Monat seine 
Klassenarbeiten und sie möchte ihn mit unserer kaputten Ehe 
dabei nicht belasten.

Das konnte ich akzeptieren. Aber es ging noch weiter: Sie 
wollte, dass ich mich daran erinnere, wie ich sie am Tag 
unserer Hochzeit über die Türschwelle getragen habe. Sie 
wollte, dass ich sie jeden Morgen aus unserem Schlafzimmer bis 
zur Wohnungstür trage. Ich dachte, dass sie nun total verrückt 
wird. Damit unsere letzten Tage aber so angenehm wie möglich 
wurden, willigte ich ein.

Später erzählte ich Jane von den Bedingungen, die meine Frau 
gestellt hatte. Sie lachte sie laut aus und sagte, dass es 
absurd sei. "Egal was für Tricks sie anwende, sie muss die 
Scheidung akzeptieren" sagte sie höhnisch.

Nachdem ich meiner Frau mitgeteilt hatte, dass ich mich 
scheiden lassen will, hatten wir keinerlei Körperkontakt mehr. 
So ist es kein Wunder, dass es am ersten Tag ein ungewohntes 
Gefühl war, als ich sie hinaus trug. Unser Sohn stand hinter 
uns und applaudierte. "Papa hält Mama im Arm" freute er sich. 
Seine Worte taten mir weh. Vom Schlafzimmer durch das 
Wohnzimmer bis zur Wohnungstür - ich ging über 10 Meter mit 
ihr in meinem Arm. Sie schloss langsam ihre Augen und 
flüsterte mir zu: "Bitte sag unserem Sohn nichts über unsere 
Scheidung". Ich nickte und ein bedrückendes Gefühl überkam 
mich. Ich setzte sie draußen vor der Tür ab. Sie ging zur 
Bushaltestelle, um dort auf den Bus zu warten, der sie zu 
ihrer Arbeit bringt. Ich fuhr alleine in mein Büro.

Am zweiten Tag fiel uns alles viel leichter. Sie lehnte ihren 
Kopf an meine Brust. Ich konnte den Geruch ihrer Bluse 
riechen. Mir wurde klar, dass ich diese Frau für eine lange 
Zeit nicht mehr richtig angesehen hatte. Mir wurde klar, dass 
sie nicht mehr so jung wie bei unserer Hochzeit war. Ich sah 
kleine Falten in ihrem Gesicht und auch die ersten kleinen 
grauen Haare. Unsere Ehe ging an ihr nicht spurlos vorüber. 
Für eine Minute habe ich mir die Frage gestellt, was ich ihr 
damit angetan habe.

Als ich sie am vierten Tag auf den Arm nahm, merkte ich, dass 
ein Gefühl der Vertrautheit wieder aufkam. Dies war die Frau, 
die mir zehn Jahre ihres Lebens geschenkt hatte.

Am fünften Tag fiel mir auf, dass die Vertrautheit weiter 
zunahm. Ich erzählte Jane nichts davon.
Je weiter der Monat dahin ging, desto leichter fiel es mir, 
sie zu tragen. Vielleicht machte mich tägliche Training stärker.

Eines morgens sah ich ihr dabei zu, wie sie überlegte, was sie 
anziehen soll. Sie probierte einige Kleidungsstücke aus, 
konnte sich aber nicht entscheiden. Dann sagte sie seufzend: 
"Alle Kleidungsstücke werden immer größer". Plötzlich merkte 
ich, dass sie viel dünner geworden war. Das war also der Grund 
dafür, dass mir das Tragen immer leichter fiel!

Auf einmal traf es mich wie ein Schlag: Sie trug so viel 
Schmerz und Bitterkeit in ihrem Herzen! Unterbewusst 
streichelte ich ihren Kopf.

In diesem Moment kam unser Sohn und sagte: "Papa, es ist Zeit, 
du musst Mama aus dem Zimmer tragen!". Es wurde ein wichtiger 
Teil seines Lebens, zu sehen, wie Papa Mama aus dem Zimmer 
trug. Meine Frau sagte unserem Sohn, dass er näher kommen 
solle. Als er das tat, nahm sie ihn fest in den Arm. Ich 
drehte meinen Kopf weg, weil ich Angst hatte, meine Meinung 
noch in letzter Minute zu ändern.

Ich nahm sie dann in meinen Arm und trug sie aus dem 
Schlafzimmer durch das Wohnzimmer in den Flur. Ihre Hand lag 
leicht an meinem Hals. Ich hatte sie fest im Arm. Es war so 
wie an dem Tag unserer Hochzeit.

Ich machte mir Sorgen, weil sie immer weniger wog. Als ich sie 
am letzten Tag auf dem Arm hatte, konnte ich mich kaum 
bewegen. Unser Sohn war schon in der Schule. Ich hielt sie 
fest und sagte ihr, dass mir gar nicht aufgefallen war, dass 
in unserem Leben die Intimität fehlt. Ich fuhr zu meinem Büro 
und sprang aus dem Auto, ohne es abzuschließen - dafür war 
keine Zeit. Ich hatte Angst, dass jede Verzögerung mich 
umstimmen könnte. Ich rannte die Treppe hoch. Als ich oben 
ankam, öffnete Jane die Tür. "Es tut mir leid, aber ich will 
mich nicht mehr scheiden lassen" sagte ich ihr.

Sie blickte mich erstaunt an und fasste mir an die Stirn. 
"Hast du Fieber?!" fragte sie. Ich nahm ihre Hand von meiner 
Stirn und sagte: "Es tut mir leid, Jane, ich will mich nicht 
mehr scheiden lassen. Unser Eheleben war vermutlich deswegen 
so eintönig, weil sie und ich uns nicht zu schätzen wussten, 
und nicht weil wir uns nicht mehr lieben! Jetzt erst wird mir 
klar, dass ich damals, als ich sie an unserem Hochzeitstag 
über die Türschwelle getragen habe, die Treue geschworen habe, 
bis der Tod uns scheidet".

Plötzlich schien Jane aufzuwachen. Sie gab mir eine schallende 
Ohrfeige, knallte die Tür zu und brach in Tränen aus. Ich lief 
hinunter und zu dem Blumenladen, der auf meinem Weg lag. Dort 
angekommen bestellte ich einen Strauß für meine Frau. Die 
Verkäuferin fragte mich, was sie auf die Karte schreiben soll. 
Ich lächelte und schrieb: Ich werde dich jeden Morgen über die 
Schwelle tragen, bis der Tod uns scheidet.

Als ich an diesem Nachmittag zu Hause ankam, hatte ich ein 
Lächeln auf den Lippen und einen Strauß Blumen in der Hand. 
Ich rannte die Treppen nach oben und fand meine Frau im Bett - 
tot. Meine Frau hatte seit Monaten gegen Krebs gekämpft und 
ich war zu viel mit Jane beschäftigt, um das überhaupt nur 
mitzubekommen. Sie wusste, dass sie bald sterben würde und 
wollte mich vor einem bewahren: Den negativen Gefühlen unseres 
Sohnes mir gegenüber. Wenigstens in den Augen meines Sohnes 
bin ich der liebevolle Ehemann geblieben.

Es sind die kleinen Dinge in einer Beziehung, die wirklich 
wichtig sind. Es ist keine Villa, ein Auto oder Berge von 
Geld. Diese Dinge können zwar das Leben bereichern, aber sind 
niemals der Ursprung des Glücks.

Also nimm dir die Zeit und tu für deine Partnerschaft die 
Dinge, die eine solche Ausmachen. Es sind die kleinen 
Aufmerksamkeiten, die für Geborgenheit und Nähe sorgen.

Lebe eine glückliche Partnerschaft!

 

unbekannt / Quelle